KI in SBO

KI in SAP Business One: Drei Wege, drei Kostenmodelle


Mit dem Feature Package 2608 kommen erstmals KI mit SAP BUSINESS ONE direkt in den Web Client.

Außerdem stellt sich nicht mehr die Frage, ob KI im ERP-System ankommt, sondern auf welchem Weg.

Diese Erkenntnis ist wirtschaftlich deutlich relevanter, als sie zunächst klingt.

Es gibt nicht nur einen Weg, sondern mindestens drei.
Zudem unterscheiden sie sich in den laufenden Kosten.

  • Sie unterscheiden sich im Einrichtungsaufwand.
  • Sie unterscheiden sich, wo Ihre Geschäftsdaten verarbeitet werden.
  • Sie unterscheiden sich darin, wie abhängig Sie sich von einem einzelnen Anbieter machen.

Zuerst der Anwendungsfall, dann die Technik

Vorweg der Punkt, der in der aktuellen Diskussion am häufigsten untergeht: Keine dieser Optionen ist per se die richtige. Die Entscheidung fällt nicht anhand der Technologie, sondern anhand der Aufgabe.

Deshalb steht am Anfang eine sehr unspektakuläre Frage. Welche wiederkehrende Tätigkeit in Ihrem Unternehmen kostet tatsächlich Zeit, und wie viel wäre Ihnen ihre Automatisierung im Monat wert?

Typische Antworten aus der Praxis:

  • Auswertungen, die heute jemand manuell in Excel zusammenbaut, weil niemand die passende Abfrage schreiben kann
  • Bestellungen, die per E-Mail eingehen und von Hand als Auftrag erfasst werden
  • Abgleich von Stammdaten zwischen CRM und ERP
  • Vorbereitung von Mahnvorschlägen
  • Beantwortung von wiederkehrenden Fragen zu Beständen, Margen oder offenen Posten

Wer diese Frage nicht beantworten kann, sollte kein KI-Projekt starten, sondern zuerst seine Prozesse anschauen. Wer sie beantworten kann, hat bereits das Kriterium, an dem sich die drei Wege messen lassen.

Weg 1: Die KI-Funktionen von SAP über die Business Technology Platform


Der naheliegende Weg ist der, den SAP selbst vorzeichnet. Die mit FP2608 eingeführten KI-Funktionen im Web Client laufen über die SAP Business Technology Platform (BTP) und den dort angesiedelten generativen KI-Dienst.

Was dafür spricht

Die Funktionen sind in den Standard integriert und erscheinen dort, wo Ihre Anwender ohnehin arbeiten. Sie werden von SAP weiterentwickelt und gepflegt. Es entsteht keine Eigenentwicklung, die Sie später selbst warten müssen. Für Unternehmen, die ohnehin auf einen möglichst standardnahen Betrieb setzen, ist das ein gewichtiges Argument.

Was Sie wissen sollten

Diese Funktionen sind nicht Bestandteil Ihrer bestehenden SAP Business One Lizenzen. Sie setzen ein eigenes Konto auf der Business Technology Platform sowie eine gesonderte Buchung voraus. Abgerechnet wird typischerweise verbrauchsabhängig, das heißt, die Kosten steigen mit der Nutzung. Dazu kommt einmaliger Einrichtungsaufwand, unter anderem für die Anbindung Ihres Systems und die Berechtigungssteuerung.

Verbrauchsabhängige Modelle haben eine unangenehme Eigenschaft: Sie lassen sich vorab schlecht kalkulieren und im Betrieb schlecht deckeln. Wer eine Funktion einmal freigeschaltet hat, kann selten kontrollieren, wie intensiv sie genutzt wird. Klären Sie deshalb vor der Beauftragung, welche Obergrenzen sich technisch setzen lassen.

Der zweite Punkt betrifft die Datenverarbeitung. Ihre Geschäftsdaten werden bei diesem Weg außerhalb Ihres ERP-Systems verarbeitet. Wo genau, unter welchen vertraglichen Bedingungen und mit welchen Aufbewahrungsregeln, gehört in die Prüfung vor der Unterschrift, nicht danach.

Weg 2: Die Plattformlösung über den Hosting-Anbieter

Mehrere Anbieter im SAP Business One Umfeld bauen derzeit eigene KI-Ebenen über das ERP-System. Ein Beispiel aus dem deutschsprachigen Raum ist Cloudiax mit AXeLANT.

Das Konzept: Eine Schicht zwischen den Systemen und der KI, die ERP, E-Mail, Dokumente und weitere Werkzeuge zu Abläufen verbindet. Spezialisierte Agenten übernehmen wiederkehrende Aufgaben wie Bestellvorschläge, Lieferstatus, Mahnläufe oder Stammdatenabgleich. Die Freigabe bleibt beim Menschen, definierte Leitplanken legen fest, wann nachgefragt wird, etwa bei hohen Beträgen oder neuen Lieferanten. Der Einstieg ist auch mit einer einzelnen Automatisierung möglich.

Was dafür spricht

Der Betrieb erfolgt in den Rechenzentren des Hosters, im Fall von Cloudiax unter anderem in Deutschland. Eingesetzt werden dort lokal betriebene quelloffene Sprachmodelle, die Daten verlassen die gewählte Region nicht. Für Unternehmen, denen Datensouveränität wichtig ist, ist das ein deutlicher Unterschied zu Weg 1. Es ist keine eigene Infrastruktur nötig, und der Einstieg ist bewusst niedrigschwellig gehalten.

Was Sie wissen sollten

Solche Lösungen sind in der Regel an das Hosting des Anbieters gebunden. Bei AXeLANT ist das ausdrücklich so: Die Nutzung setzt voraus, dass Ihr SAP Business One System in der Cloudiax Cloud betrieben wird. Für Anwender, die dort ohnehin hosten, ist das ein sehr aufwandsarmer Weg. Für alle anderen ist es keine reine KI-Entscheidung, sondern zugleich eine Hosting-Entscheidung mit allem, was dazugehört.

Hinzu kommt der Reifegrad. AXeLANT befindet sich derzeit (Stand August 2026) in einer Early-Access-Phase mit Warteliste. Konkrete Preise werden nicht öffentlich genannt, verwiesen wird auf ein Startpaket über den betreuenden Partner. Das ist zu diesem Zeitpunkt nachvollziehbar, bedeutet aber, dass Sie für eine belastbare Kalkulation ein individuelles Angebot benötigen.

Und schließlich der Punkt, den man bei jeder Plattform mitdenken sollte: Je mehr Ihrer Abläufe darin abgebildet sind, desto aufwendiger wird ein späterer Wechsel.

Weg 3: Die eigene Integration über MCP

Der dritte Weg ist der am wenigsten bekannte und in vielen Fällen der pragmatischste.

Das Model Context Protocol, kurz MCP, hat sich innerhalb kurzer Zeit als offener Standard dafür etabliert, wie KI-Anwendungen auf ERP-Systeme zugreifen. Statt für jede Kombination aus Modell und System eine eigene Schnittstelle zu bauen, gibt es eine einheitliche Ebene dazwischen.

SAP selbst hat in der Roadmap 2026 die Unterstützung eines quelloffenen MCP-Servers für SAP Business One angekündigt. Unabhängig davon existieren bereits mehrere Umsetzungen, die über die Service Layer auf das System zugreifen, teils quelloffen, teils kommerziell.

Was dafür spricht

Sie bauen eine Anbindung für den Anwendungsfall, den Sie tatsächlich haben, statt eine Plattform mit allem zu abonnieren, was Sie nicht brauchen. Der Zugriff lässt sich auf definierte Objekte, Belege und Berechtigungen begrenzen. Das eingesetzte KI- bzw. Sprachmodell ist austauschbar, Sie sind also nicht an einen Anbieter gebunden und können auf Preisentwicklungen reagieren.

Je nach Modellwahl liegen die laufenden Kosten deutlich unter denen einer kompletten Plattformlösung. Und wenn Sie solch ein Modell auch im Rechenzentrum wie Cloudiax in der Private-Cloud betreiben, findet somit auch kein unkontrollierter Datenabfluss an Dritte statt. Für Unternehmen mit hohen Anforderungen an Vertraulichkeit ist das häufig das entscheidende Argument.

Was Sie wissen sollten

Der Aufwand verschiebt sich etwas auf die eigene Seite. Er liegt hier in Konzeption, Einrichtung und Berechtigungsdesign, nicht im monatlichen Abonnement. Und Sie benötigen einen SAP Business One Partner wie uns, der sowohl die Service Layer als auch Ihre Prozesse versteht.

Für ein oder zwei klar umrissene Aufgaben rechnet sich das häufig schnell. Für zwanzig verteilte Automatisierungen quer durch alle Abteilungen ist eine Plattformlösung dann doch die bessere Lösung.

Die drei Wege im Vergleich

KriteriumSAP BTPPlattform des HostersEigene MCP-Integration
EinstiegshürdeNiedrig, StandardnahNiedrig, sofern passendes HostingMittel, Konzeption nötig
Laufende KostenVerbrauchsabhängig, schwer deckelbarAbonnement, individuell verhandeltAbhängig vom Modell, gut steuerbar
DatenverarbeitungAußerhalb des SystemsRechenzentrum des Anbieters, Region wählbarFrei wählbar, auch vollständig inhouse
BindungAn SAPAn Anbieter und dessen HostingGering, Modell austauschbar
Passt gut beiStandardnahem Betrieb, breiter NutzungVielen Automatisierungen, vorhandenem HostingEinzelnen, klar definierten Aufgaben

Was Sie unabhängig vom Weg klären sollten

Einige Punkte gelten für alle drei Varianten und werden regelmäßig zu spät bedacht.

Nachvollziehbarkeit

Wenn ein System Vorschläge erzeugt oder Belege anlegt, muss dokumentiert sein, wer oder was das ausgelöst hat und wer freigegeben hat. Für buchführungsrelevante Vorgänge ist das keine Fleißaufgabe, sondern eine Anforderung aus den GoBD.

Freigabe durch Menschen

Kein produktives Szenario sollte ohne definierte Freigabepunkte auskommen. Legen Sie vorab fest, ab welchem Betrag, bei welcher Abweichung und bei welchen Geschäftspartnern ein Mensch entscheidet.

Berechtigungen

Ein KI-Agent sollte nicht mehr sehen dürfen als der Anwender, in dessen Auftrag er arbeitet. Prüfen Sie, ob die gewählte Lösung Ihr Berechtigungskonzept übernimmt oder daran vorbei arbeitet.

Datenqualität

Jede Automatisierung ist nur so gut wie die Stammdaten darunter. Wer heute uneinheitliche Artikelbezeichnungen und lückenhafte Geschäftspartnerdaten pflegt, bekommt durch KI keine besseren Ergebnisse, sondern schnellere falsche.

Ausstieg

Klären Sie vor der Entscheidung, was passiert, wenn Sie in zwei Jahren wechseln möchten. Welche Konfiguration gehört Ihnen, was bleibt beim Anbieter?

Fazit

Die interessante Frage lautet nicht, welche KI-Lösung für SAP Business One die beste ist. Sie lautet, welche Aufgabe Sie lösen wollen und was Ihnen die Lösung wert ist. Aus dieser Antwort ergibt sich der Weg fast von selbst.

Für einzelne, gut abgegrenzte Anwendungsfälle ist eine eigene Anbindung über MCP häufig schneller und günstiger, als die Diskussion vermuten lässt. Für eine breite Automatisierung über viele Abläufe hinweg spielt eine Plattform ihre Stärken aus. Und wer ohnehin standardnah bleiben möchte, fährt mit den SAP-eigenen Funktionen gut, sollte aber die verbrauchsabhängige Abrechnung im Blick behalten.

Als unabhängiger Berater verkaufe ich Ihnen weder eine Plattform noch ein Abonnement. Ich sage Ihnen, welcher Weg zu Ihrem Anwendungsfall, zu Ihrer Systemlandschaft und zu Ihrem Budget passt. 

Sprechen wir darüber, bevor Sie irgendwo was buchen.

Einkaufsanalyse nach Artikel im Web Client: Was SAP (noch) nicht mitliefert, und wie man es sich selbst baut

Stand: Juli 2026 | SAP Business One 10.0, Web Client SP2605

Die Ausgangsfrage

Eine scheinbar triviale Anforderung: „Zeige mir alle Eingangsrechnungen, in denen Artikel X eingekauft wurde.“ Im Desktop-Client ist das seit Jahren ein Ein-Klick-Vorgang. Einkaufsanalyse öffnen, nach Artikel und Zeitraum filtern, Doppelklick auf die Ergebniszeile, fertig. SAP springt direkt zu den zugrunde liegenden Belegen.

Im Web Client sucht man diese Funktion vergebens. Die Recherche dazu zeigt exemplarisch, wo der Web Client aktuell steht: Leistungsfähig unter der Haube, aber an entscheidenden Stellen noch nicht zu Ende gedacht!

Kritik: Die Lücke ist real

Der Web Client bietet für den Verkauf eine eigene Verkaufsanalyse-Berichtssicht inklusive nativer Datenaufschlüsselung (Drilldown auf Belegebene), also genau die Funktion, die man sich für den Einkauf wünschen würde. Eine äquivalente Einkaufsanalyse-Berichtssicht existiert dort schlicht nicht. Wer im Einkauf nach Artikel filtern will, landet bei den Standard-Listenansichten der Eingangsrechnungen. Die sind aber beleg- (kopf-)basiert und bieten keine Filterung auf Positionsebene.

Der naheliegende Workaround, Benutzerdefinierte Abfragen (UDQ), funktioniert zwar inhaltlich, aber nicht dort, wo man ihn zuerst vermutet. Die Funktion „Verknüpfte Listenansichten“, mit der sich normalerweise Objekte klickbar miteinander verbinden lassen, akzeptiert UDQs weder als Quelle noch als Ziel. Bis man das durch Ausprobieren zweifelsfrei ausgeschlossen hat, kostet das unnötig Zeit. Ein Hinweis in der Dokumentation dazu wäre wünschenswert.

Lob: Wo es dann doch elegant wird

Der eigentliche Weg liegt eine Ebene tiefer, direkt in der UDQ selbst, und der ist tatsächlich gut gemacht.

Echte Laufzeitparameter. UDQs unterstützen benannte Parameter (:parametername) mit Typ und optionalem Standardwert. Kein reines Static-SQL-Konstrukt, sondern eine Abfrage, die sich wie ein kleines Formular verhält.

Spaltenweise Objektverknüpfung. Im Reiter „Spalten“ lässt sich jede Spalte gezielt mit einer Systemtabelle verknüpfen (DocEntry zu OPCH, ItemCode zu OITM etc.). Genau das erzeugt den gesuchten Effekt: Sobald die Ergebnisliste über „In Listenansicht öffnen“ dargestellt wird, sind Belegnummer, Geschäftspartner und Artikelnummer automatisch anklickbar und führen direkt in die jeweilige Detailsicht.

Sofort nutzbare Listenansicht. Die UDQ-Ergebnisliste kommt automatisch mit Filterleiste, Gruppierung, Tabellen-/Diagrammansicht und Excel-Export. Alles Bordmittel, kein Zusatzaufwand.

Beispielhafte Abfrage (HANA-Syntax) für „alle Eingangsrechnungspositionen zu einem Artikel“:

SELECT T0."DocEntry", T0."DocNum", T0."DocDate", T0."CardName", T1."ItemCode", T1."Dscription", T1."Quantity", T1."LineTotal" FROM OPCH T0 INNER JOIN PCH1 T1 ON T0."DocEntry" = T1."DocEntry" WHERE T0."CANCELED" = 'N'

Ohne Artikel-Filter im WHERE liefert das eine vollständige Übersicht aller Einkaufspositionen, die sich anschließend direkt in der Listenansicht nach Artikelnummer filtern und gruppieren lässt. Für den Einzelfall reicht ein Parameter à la :myItemCode, für die Massenauswertung lässt man ihn einfach weg.

Screenshot

Stolperfallen beim Spalten-Mapping

Zwei Dinge, die beim Nachbauen leicht schiefgehen und nirgends dokumentiert sind.

„Verknüpfung mit“ gehört nur auf das Schlüsselfeld. Es ist verlockend, bei allen Spalten aus derselben Quelltabelle (DocEntry, DocNum, DocDate, CardName) pauschal „Verknüpfung mit: OPCH“ zu setzen, schließlich gehören sie ja alle zum selben Beleg. Das führt aber dazu, dass die Listenansicht durcheinanderkommt, welcher Wert der eigentliche Schlüssel ist und welcher nur Anzeigefeld. In unserem Testfall zeigte „Interne Nummer“ plötzlich den DocNum-Wert statt des echten DocEntry. Richtig ist: nur das eindeutige Schlüsselfeld (DocEntry) mit dem Objekt verknüpfen, alle anderen Spalten bleiben ohne Objektverknüpfung.

Verknüpfte Spalten zeigen die Objekt-Standardanzeige, nicht den Rohwert. Sobald eine Spalte korrekt mit einem Objekt verknüpft ist, ersetzt der Web Client den ursprünglichen SQL-Wert durch die Standard-Darstellung dieses Objekts. Bei Belegen ist das die Belegnummer (DocNum), nicht der interne Schlüssel (DocEntry). Der Link selbst funktioniert trotzdem korrekt, intern wird weiterhin der echte DocEntry für die Navigation verwendet, aber wer bewusst den Rohwert anzeigen wollte, wird von der Anzeige überrascht. Rein kosmetisch, aber gut zu wissen, bevor man auf die Suche nach einem vermeintlichen Bug geht.

Fazit

Der Web Client zwingt an dieser Stelle zu einem Umweg, den es im Desktop-Client nicht braucht. Das ist ein echter Funktionsrückstand, den SAP schließen sollte, zumal die Verkaufsseite zeigt, dass man es besser kann. Gleichzeitig ist bemerkenswert, mit wie wenig Aufwand sich diese Lücke selbst schließen lässt: eine SQL-Abfrage, ein paar Klicks in den Spalten-Metadaten, fertig ist eine wiederverwendbare, klickbare Analyse-Kachel. Ganz ohne Programmierung, ganz ohne Crystal Reports, ganz ohne Entwickler-Zugriff auf die Datenbank. Das ist state of the art für Self-Service-Analytics im SMB-Umfeld.

Offen für einen Folgebeitrag: Ob sich mehrere Belegarten (Eingangsrechnung, Eingangsgutschrift) per UNION ALL in einer Query kombinieren lassen, ohne die Objektverknüpfung pro Zeile zu verlieren. Dazu bald mehr, sobald der Praxistest steht.

KI für SAP Business One — viel Lärm, wenig dahinter

Draußen in der KI-Welt übernehmen autonome Agenten gerade echte Arbeit: OpenAI Operator bucht Reisen, erledigt Formulare, navigiert eigenständig durch Webanwendungen. Anthropic Claude führt Computer Use durch — klickt, tippt, recherchiert selbstständig. Devin schreibt und deployed Code ohne menschliches Zutun.

Und was passiert parallel dazu bei SAP Business One?

Ich beschäftige mich natürlich mit dem Thema AI im B1-Umfeld, aber die Ernüchterung ist real.

SAP bewirbt 350+ AI-Szenarien und Joule als allgegenwärtigen KI-Assistenten. Was dabei gerne im Kleingedruckten verschwindet: Das gilt für S/4HANA, SuccessFactors, Ariba, aber nicht für SAP Business One.

Was steht B1-Kunden heute wirklich zur Verfügung?

  • Document Information Extraction (BTP/OCR): Eingangsrechnungen per KI auslesen. Erfordert BTP-Konto, 3–6 Beratertage Einrichtung, laufende Verbrauchskosten — und liefert bei gescannten PDFs eine Fehlerquote, die den Sachbearbeiter nicht wirklich entlastet.
  • MyWave.ai: Conversational AI direkt in B1, SAP-validiert, technisch der bisher überzeugendste Ansatz. Aber: produktiv erst sinnvoll, wenn Stammdaten sauber und Prozesse homogen sind. Konfigurationsaufwand inklusive.
  • Weitere Drittanbieter: Beeindruckende Feature-Listen — und entsprechend beeindruckende Implementierungsprojekte dahinter.

Das gemeinsame Muster: Hoher Einrichtungsaufwand. Laufende Betriebskosten. Nutzen, der stark von Datenqualität und Belegvolumen abhängt. Für einen Mandanten mit 80 Eingangsrechnungen im Monat rechnet sich das schlicht nicht.

Während anderswo KI-Agenten eigenständig Geschäftsprozesse durchführen, diskutieren wir im B1-Umfeld noch darüber, wie man OCR vernünftig zum Laufen bringt. Joule für B1? Kommt laut Roadmap frühestens mit Version 11 — also 2027.

Das ist kein Vorwurf an SAP. B1 ist eine strategisch wichtige Plattform für den Mittelstand — aber die KI-Investitionen fließen klar zuerst in die Enterprise-Welt. Wer seinen B1-Kunden heute KI-Transformation verkauft, sollte die Erwartungen sehr klar managen.

Meine ehrliche Empfehlung für die meisten Mandanten heute: Abwarten, Datenbasis sauber halten, auf die konkreten Anwendungsfälle fokussieren, die sich wirklich rechnen. Alles andere ist derzeit vor allem eines: Ein Marketingversprechen.

Adressformatierung in SAP Business One richtig gemacht

Schluss mit Drucklayout-Flickwerk 

Kennen Sie das? Das Angebot geht raus, und prompt meldet sich jemand: „Da ist eine komische Leerzeile bei der Adresse.“ Also auf ins Drucklayout, suchen, anpassen, testen, speichern. Beim nächsten Drucklayout das gleiche Spiel. Und beim übernächsten. Sisyphus lässt grüßen.

Dabei gibt es in SAP Business One eine elegante Lösung, die viele gar nicht auf dem Schirm haben: die Adressformat-Definition.

Screenshot

Was steckt dahinter?

Unter Administration → Definition → Geschäftspartner → Adressformate  lässt sich exakt steuern, wie Adressen systemweit aufgebaut werden – welche Felder in welcher Reihenfolge erscheinen, ob eine Zeile angezeigt wird, wenn sie leer ist, und wie das Ganze für verschiedene Länder unterschiedlich aussehen kann.

Das Schöne daran: SAP liefert für viele Länder bereits fertige Adressformate mit. Deutschland ist natürlich dabei. Diese Vorlagen lassen sich denkbar einfach anpassen – einmal, zentral, für alle Drucklayouts gleichzeitig.

Das konkrete Problem – und die Lösung

Die berüchtigte Leerzeile entsteht meist dann, wenn ein Adressfeld (z.B. „Adresszeile 2″) im Format vorgesehen ist, aber im konkreten Datensatz leer bleibt. SAP druckt dann brav eine leere Zeile. Die Lösung: Im Adressformat die Option „Leere Adresszeilen ausblenden“ aktivieren oder schlicht entfernen – und das Problem verschwindet in allen Layouts auf einmal.

Gleiches gilt, wenn Sie die Reihenfolge ändern möchten, z.B. den Ort vor die Postleitzahl stellen (für internationale Adressen) oder den Ländernamen nur bei ausländischen Adressen einblenden wollen.

Warum das so praktisch ist

Wer bisher für jedes Drucklayout einzeln Hand angelegt hat, wird den Unterschied sofort spüren. Eine Änderung in der Adressformat-Definition wirkt sich auf alle Layouts aus, die dieses Format verwenden. Das spart nicht nur Zeit – es sorgt auch dafür, dass Angebot, Rechnung, Lieferschein und Bestellung endlich alle gleich aussehen.

Die offizielle SAP-Dokumentation zur Adressformat-Definition finden Sie hier

Kurz zusammengefasst

Bevor Sie das nächste Drucklayout öffnen, um eine Leerzeile zu jagen: Schauen Sie zuerst in die Adressformat-Definition. Was wie eine Kleinigkeit aussieht, ist in Wahrheit einer der unterschätzten Hebel in SAP Business One – klein, zentral, wirkungsvoll.

Und Sisyphus kann sich endlich eine Pause gönnen 😉

Laptop Symbolbild

SAP Business One Web Client: Großes Versprechen, ehrliche Einschränkungen

Der SAP Business One Web Client entwickelt sich rasant. Doch für erfahrene Anwender im Tagesgeschäft gibt es noch einige blinde Flecken — vor allem im Finanzbereich. Ein ehrlicher Blick auf den aktuellen Stand.

Was der Web Client heute schon leistet

Wer SAP Business One schon länger kennt, erinnert sich an die frühen Versionen des Web Clients: eine überschaubare Oberfläche, gut gemeint, aber für den produktiven Einsatz kaum geeignet. Das hat sich grundlegend geändert.

Mit jedem Feature Package hat SAP die browserbasierte Oberfläche konsequent ausgebaut. Heute bietet der Web Client ein modernes, auf SAP Fiori basierendes Design, mobilen Zugriff von jedem Endgerät ohne Installation, eine intuitive Bedienung auch für SAP-Einsteiger sowie einen soliden Funktionsumfang in Verkauf, Einkauf, Stammdaten und Reporting.

Für viele Anwendergruppen — insbesondere im Vertrieb, im Einkauf und im Management — deckt der Web Client den Arbeitsalltag bereits vollständig ab. Das ist eine echte Leistung und verdient Anerkennung.


Wo der Fat Client noch unverzichtbar ist

Die ehrliche Antwort auf die Frage „Kann ich meinen Fat Client abschalten?“ lautet für viele Unternehmen: noch nicht. Der Grund liegt nicht in Komfortproblemen, sondern in drei konkreten Funktionslücken, die den Finanzalltag unmittelbar betreffen.

Kontoauszugsverarbeitung: Das tägliche Brot der Buchhaltung

Die Kontoauszugsverarbeitung ist für jeden Buchhalter das zentrale Werkzeug zur täglichen Bankabstimmung. Eingehende Zahlungen werden Bankbewegungen zugeordnet, offene Posten ausgeglichen, Regeln für wiederkehrende Transaktionen definiert. In vielen Unternehmen läuft dieser Prozess mehrfach täglich.

Im Web Client ist diese Funktion bis heute nicht verfügbar. Wer die Kontoauszugsverarbeitung nutzen möchte, muss zwingend in den Fat Client wechseln. Für Buchhalter, die ansonsten vollständig im Web Client arbeiten könnten, ist das ein täglicher Medienbruch.

Zahlungsassistent: Herzstück des automatisierten Zahlungsverkehrs

Der Zahlungsassistent bündelt fällige Lieferantenverbindlichkeiten, erzeugt Zahlläufe und gibt SEPA-Dateien für die Bank aus. Für Unternehmen, die ihren Zahlungsverkehr nicht manuell abwickeln wollen, ist er unverzichtbar.

Auch diese Funktion fehlt im Web Client vollständig. Zahlläufe können ausschließlich über den Fat Client ausgeführt werden. Gerade in Kombination mit der fehlenden Kontoauszugsverarbeitung bedeutet das: Die gesamte Seite „Zahlung ein und aus“ bleibt an den Fat Client gebunden.

E-Rechnungsimport: In Zeiten gesetzlicher Pflicht ein kritisches Versäumnis

Ab 2025 gilt in Deutschland schrittweise die Pflicht zur elektronischen Rechnung im B2B-Bereich. XRechnung und ZUGFeRD sind keine Zukunftsthemen mehr — sie sind Gegenwart. Eingehende E-Rechnungen müssen strukturiert importiert und verarbeitet werden können.

Im SAP Business One Fat Client existiert hierfür ein Import-Assistent. Im Web Client fehlt diese Funktionalität bisher. Für Unternehmen, die bereits aktiv E-Rechnungen empfangen, bedeutet das: auch dieser Prozess bleibt an den Fat Client gebunden.


Was das in der Praxis bedeutet

Ein Buchhalter, der heute versucht, ausschließlich mit dem Web Client zu arbeiten, stößt täglich an dieselbe Grenze: Stammdaten, Belege, Berichte — Web Client. Bankabstimmung, Zahlungslauf, E-Rechnungseingang — Fat Client.

Das ist kein Komfortproblem. Es ist eine strukturelle Einschränkung, die eine vollständige Migration vom Fat Client auf den Web Client für Finanzabteilungen derzeit verhindert. Und es betrifft nicht Randfunktionen, sondern den Kern des Finanzmoduls.


Der Fat Client: leistungsfähig, aber nicht mehr zeitgemäß

Wer täglich mit dem Fat Client arbeitet, weiß seinen Funktionsumfang zu schätzen. Komplexe Konfigurationen, direkte Systemzugriffe, ausgereifte Workflowunterstützung — der Fat Client ist nach über 20 Jahren Weiterentwicklung ein mächtiges Werkzeug.

Gleichzeitig ist er technologisch in die Jahre gekommen. Die Installation auf jedem Arbeitsplatz ist aufwendig, Remotearbeit erfordert Terminalserver oder VPN-Lösungen, und das Bedienkonzept entspricht nicht mehr dem, was Anwender heute von modernen Anwendungen erwarten.

Der Web Client adressiert genau diese Schwächen. Er ist plattformunabhängig, benötigt keine Installation, funktioniert auf Tablets und Smartphones und orientiert sich an modernen UX-Standards. Die strategische Richtung ist klar und richtig.


Was jetzt noch fehlt — und was wir uns von SAP wünschen

SAP hat bewiesen, dass der Web Client kein Nebenprojekt ist. Jedes Feature Package bringt sichtbaren, substanziellen Fortschritt. FP2602 etwa hat Journalbuchungen, Banking-Konfiguration, UDF-Verwaltung und das Monitoring von Hintergrundjobs deutlich ausgebaut.

Und dennoch: Kontoauszugsverarbeitung, Zahlungsassistent und E-Rechnungsimport sind keine Nischenanforderungen. Sie sind der Kern des Finanzmoduls und in jeder Buchhaltung täglich im Einsatz. Solange diese drei Funktionen fehlen, ist der Web Client für Finanzabteilungen kein vollwertiger Ersatz — sondern eine sinnvolle Ergänzung.

Die Hoffnung ist berechtigt: SAP hat die PowerUser nicht vergessen, sondern baut konsequent auf sie zu. Wenn die Finanzfunktionen im Web Client den gleichen Reifegrad erreichen wie Verkauf und Stammdaten, ist der Schritt zur vollständigen Fat-Client-Ablösung für viele Unternehmen endlich realistisch.

Die Frage ist nicht ob — sondern wann.


Fazit für die Praxis

Für Unternehmen, die SAP Business One einsetzen, ergibt sich heute ein klares Bild:

Der Web Client ist die Zukunft und für viele Bereiche bereits die bessere Wahl. Für Buchhalter und alle, die täglich mit Zahlungsverkehr und Bankabstimmung arbeiten, bleibt der Fat Client vorerst unverzichtbar. Eine parallele Nutzung beider Clients ist keine Schwäche — sondern die pragmatisch richtige Antwort auf den aktuellen Entwicklungsstand.

Wer heute eine SAP B1 Einführung oder Migration plant, sollte den Web Client als primäres Interface einplanen, den Fat Client aber für die Finanzprozesse nicht voreilig abschreiben.


Haben Sie Fragen zum Web Client oder planen Sie ein Update auf die aktuelle Version? Als SAP Business One Berater unterstütze ich Sie gerne bei der Bewertung und Umsetzung — sprechen Sie mich an.

→ Kontakt aufnehmen

Inventur-Tipp: Lagerbewegungen während der Zählung sicher sperren

Das Problem bei mehrtägigen Inventuren

Wer kennt es nicht? Die Inventur ist in vollem Gange, das Team zählt konzentriert die Bestände – und plötzlich bucht ein Kollege aus der Verkaufsabteilung noch schnell eine Warenausgabe. Das Ergebnis: Die mühsam erfassten Zählmengen stimmen nicht mehr mit dem System überein, und die Differenzanalyse wird zum Alptraum.

Besonders bei größeren Lagern, wo die Inventur mehrere Tage dauern kann, ist dieses Szenario ein echtes Risiko. Doch wie verhindert man Warenbuchungen während der Inventur, ohne das komplette System lahmlegen zu müssen?

Die Lösung: Zeitgesteuerte Berechtigungsgruppen

SAP Business One bietet zwar keine dedizierte Funktion „Lager temporär sperren“, aber mit einem cleveren Workaround über Berechtigungsgruppen lässt sich genau dieser Effekt erzielen – und das sogar zeitgesteuert und vollautomatisch!

Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Neue Berechtigungsgruppe anlegen

Erstellen Sie eine neue Berechtigungsgruppe mit einem aussagekräftigen Namen wie „Inventur-Sperre“ oder „Zählsperre Lager“.

Navigation: Administration → Systeminitialisierung → Berechtigungen → Berechtigungsgruppen

2. Berechtigungen konfigurieren

So richten Sie die Berechtigungen optimal ein:

2.1 Basis-Berechtigungen kopieren

  • Kopieren Sie zunächst die allgemeinen Berechtigungen einer bestehenden Gruppe (z.B. „Verkauf“) als Vorlage
  • Das spart Zeit und stellt sicher, dass Sie keine wichtigen Berechtigungen vergessen

2.2 Verkaufsbereich auf „Nur Lesen“ setzen

  • Setzen Sie den gesamten Bereich „Verkauf“ zunächst auf „Nur Lesen“
  • Damit sind alle lagerwirksamen Buchungen blockiert

2.3 Ausnahmen definieren

  • Setzen Sie nun selektiv die Belege, die während der Inventur weiterhin erlaubt sein sollen, auf „Volle Berechtigung“
  • Typischerweise: Angebote und Aufträge (diese sind noch nicht lagerwirksam)
  • Je nach Geschäftsprozess eventuell auch Bestellungen

3. Zeitraum festlegen

Hier kommt der entscheidende Vorteil: Berechtigungsgruppen in SAP Business One haben ein Gültigkeitsdatum!

  • Definieren Sie Start- und Enddatum entsprechend Ihrer Inventurplanung
  • Beispiel: 31.12.2024 18:00 Uhr bis 02.01.2025 08:00 Uhr

4. Benutzer zuweisen

Weisen Sie diese Berechtigungsgruppe allen Benutzern zu, die während der Inventur keine Warenausgänge buchen sollen.

Navigation: Administration → Systeminitialisierung → Berechtigungen → Benutzer → Reiter „Berechtigungsgruppen“

Die Vorteile dieser Lösung

✅ Automatische Aktivierung/Deaktivierung – Keine manuelle Entsperrung nach der Inventur nötig

✅ Vorbereitung im Vorfeld – Alles kann in Ruhe getestet und eingerichtet werden

✅ Selektive Sperrung – Nur lagerwirksame Vorgänge werden blockiert, Angebote/Aufträge bleiben möglich

✅ Keine System-Downtime – Das System bleibt voll funktionsfähig

✅ Revisionssicher – Alle Berechtigungsänderungen sind protokolliert

Praxis-Tipp für die Umsetzung

Planen Sie die Einrichtung mindestens eine Woche vor der Inventur ein und testen Sie die Berechtigungen mit einem Test-User. Prüfen Sie insbesondere:

  • Können Angebote und Aufträge noch angelegt werden?
  • Sind Lieferungen wirklich gesperrt?
  • Funktionieren Wareneingang und Warenausgang wie gewünscht?
  • Können Retouren bearbeitet werden (falls erforderlich)?

Wichtiger Hinweis

Vergessen Sie nicht, auch andere lagerwirksame Module zu prüfen:

  • Produktion (falls Fertigmeldungen lagerwirksam sind)
  • Einkauf (Wareneingänge)
  • Bestandsbuchungen (manuelle Lageranpassungen)

Je nach Ihrer Inventurstrategie müssen diese eventuell ebenfalls gesperrt oder auf bestimmte Benutzer beschränkt werden.

Fazit

Mit zeitgesteuerten Berechtigungsgruppen lässt sich in SAP Business One eine saubere, automatisierte Inventursperre realisieren – ganz ohne Zusatzsoftware oder System-Downtime. Die Lösung ist elegant, revisionssicher und vor allem: Sie müssen nach der Inventur nicht daran denken, wieder zu entsperren!


Haben Sie Fragen zur Umsetzung oder benötigen Sie Unterstützung bei Ihrer nächsten Inventur? Als SAP Business One Consultant unterstütze ich Sie gerne bei der optimalen Konfiguration Ihres Systems.

Crystal Report lebt: Warum das Reporting-Tool weiterhin entscheidend für SAP Business One ist

In den letzten Monaten kursieren immer wieder Gerüchte, Crystal Report werde eingestellt oder sei ein Auslaufmodell. Gerade im Kontext von SAP Business One (SBO) und insbesondere in Verbindung mit dem modernen SAP Webclient führt dies zu Verunsicherung. In diesem Artikel klären wir auf, was wirklich Sache ist, welche Versionen für SAP Business One relevant sind und warum Crystal Reports auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird.

1. Crystal Report: Zwei Linien, ein klares Ergebnis SAP hat in der Vergangenheit zwei Varianten gepflegt: Crystal Reports Classic und Crystal Reports for Enterprise (CR4E). Wichtig zu wissen:

  • CR4E ist abgekündigt: Diese Version wird mit SAP BI 2025 nicht mehr ausgeliefert. Wer CR4E nutzt, sollte spätestens jetzt auf Classic umsteigen.
  • Crystal Report Classic wird weiterentwickelt: Die Version 2025 wurde veröffentlicht und ist Teil der SAP BusinessObjects Roadmap. Es gibt also keine Abkehr vom Produkt, sondern klare Weiterführung.

2. Crystal Report in SAP Business One: Aktueller Stand Für SAP Business One 10.0 ist Crystal Reports 2020 weiterhin das empfohlene Reporting-Tool. Je nach Feature Pack (FP) wird ein bestimmter Patch unterstützt:

  • FP2308: CR 2020 SP3 P3
  • FP2402: CR 2020 SP4
  • FP2508 (vermutlich): ebenfalls CR 2020 SP4 (Bestätigung via SAP Note steht noch aus)

Andere Versionen wie CR 2025 sind für SBO aktuell nicht vorgesehen oder freigegeben.

3. Bedeutung für den SAP Webclient Mit dem zunehmenden Einsatz des Webclients für SAP Business One stellt sich die Frage: Wie sieht es mit Reporting aus?

  • Der Webclient bietet derzeit keine integrierte Berichtsentwicklung.
  • Crystal Reports bleibt das zentrale Tool für Drucklayouts, Belege und komplexe Auswertungen.
  • Der Webclient kann Berichte nutzen, die im Backend über Crystal Reports definiert wurden (z. B. Ausdrucke, PDFs).

Fazit: Kein Grund zur Sorge Crystal Report ist nicht tot, sondern wird für den klassischen SAP-Reporting-Bereich weiterhin benötigt. Gerade in SAP Business One ist es tief integriert, funktional bewährt und wird mit jedem FP weiter gepflegt. Auch im Zusammenspiel mit dem Webclient bleibt es der Standard für strukturierte, layoutstarke Ausgaben.

Braucht es noch CFOs und Buchhalter – oder übernimmt die KI?

Als wir vor ein paar Jahren anfingen, über „KI im Finanzbereich“ zu sprechen, war das für viele eher ein Buzzword. Heute ist das Thema plötzlich konkret. Nicht theoretisch – sondern in echten Projekten mit messbarem Nutzen.

Ich begleite Unternehmen, die SAP Business One im Einsatz haben, bei der Erweiterung ihres ERP-Systems um KI-gestützte Funktionen. Zwei Anwendungsbereiche haben sich dabei als besonders wirtschaftlich und praxisrelevant herauskristallisiert:

1. Zahlungsprognosen mit KI – endlich echte Transparenz

Die klassische Liquiditätsplanung kennt ihre Grenzen. Zahlungsziele sagen wenig darüber aus, wann das Geld wirklich kommt. Viele Unternehmen haben Debitoren, die mal zu früh, mal viel zu spät zahlen – aber selten exakt pünktlich.

Ein Beispiel aus einem Maschinenbauunternehmen:

400 Debitoren, solide Auftragslage, aber ständig Unsicherheit bei der Liquidität. Gemeinsam haben wir ein KI-Modell aufgebaut, das historische Zahlungsverhalten, Mahnhistorien, Brancheninformationen und Saisonalität analysiert.

Das Ergebnis: eine Zahlungsprognose, die nicht auf Wunschdenken basiert – sondern auf Daten. Engpässe wurden sichtbar, bevor sie eintraten. Der CFO konnte fundierter entscheiden – und musste nicht mehr ständig Feuerwehr spielen.

2. Automatisierte Kontierung – weniger Aufwand, weniger Fehler

Der zweite große Hebel liegt in der operativen Buchhaltung. Viele Unternehmen erfassen täglich riesige Mengen an Einzeltransaktionen: Kreditkartenabrechnungen, Lieferantenrechnungen, Spesen. Meistens wiederkehrend, meistens manuell.

Ein E-Commerce-Kunde mit mehreren Tausend monatlichen Buchungen hat durch ein trainiertes KI-Modell über 85 % dieser Transaktionen automatisch richtig kontiert – inkl. Steuerlogik, Sachkonto und Kostenstelle. Die Buchhaltung prüft jetzt nur noch, was auffällt oder neu ist.

Und wie funktioniert das technisch mit SAP Business One?

SAP Business One ist im Standard nicht für KI ausgelegt – aber über die SAP Business Technology Platform (BTP) lässt sich genau das realisieren. Daten aus SAP B1 werden per Service Layer oder DI API an die BTP übergeben. Dort wird analysiert, bewertet und (optional) automatisiert gehandelt – zum Beispiel durch eine Rückspielung ins ERP oder eine Workflow-Auslösung.

Das Besondere: BTP ist skalierbar. Unternehmen können klein starten (z. B. mit Kontierung oder Zahlungsprognose) und nach und nach weitere Prozesse „intelligent machen“.

Kosten und Realität – kein Hype, sondern Kalkulation

Was oft nicht offen angesprochen wird: Solche Lösungen sind kein „Einmal klicken und läuft“-Produkt. Sie kosten:

• Beratungs- und Implementierungsaufwand (8–50 Personentage je nach Komplexität)

• Monatliche Betriebskosten für die BTP (100–1500 Euro, abhängig vom Verbrauch)

• Zeit für saubere Daten, Change Management und ggf. Nachtraining der Modelle

Aber: Die Wirtschaftlichkeit ist in der Regel nach wenigen Monaten spürbar – durch reduzierte Buchungsaufwände, geringere Fehlerkosten und bessere Steuerungsfähigkeit.

Fazit: KI ersetzt nicht – sie verschiebt

CFOs und Buchhalter bleiben zentral – aber ihre Aufgaben verändern sich. Der CFO wird zum Datenarchitekten und Entscheider auf Basis von Simulationen. Die Buchhaltung wird zum Kontrollzentrum – nicht zur Datenerfasserin.

Ich begleite Unternehmen bei genau diesem Wandel. Ohne Hype, ohne Beraternebel, sondern mit einem klaren Blick darauf, was heute in SAP Business One mit KI realistisch, wirtschaftlich und sicher umsetzbar ist.

Die stille Stolperfalle in der XRechnung: UBL oder CII?

In der Theorie klingt alles einfach: Die XRechnung ist ein einheitliches Format für elektronische Rechnungen, vorgeschrieben für die öffentliche Verwaltung in Deutschland. In der Praxis aber offenbart sich eine unsichtbare, aber folgenreiche Stolperfalle, die besonders SAP-Business-One-Anwender:innen betrifft: das unterschiedliche Datenformat der XRechnung – UBL oder CII.

Ursprünglich lautete unsere Empfehlung, die „reine“ XRechnung (also ohne PDF-Teil) zu bevorzugen, da der visuelle Bestandteil einer hybriden Rechnung (wie bei ZUGFeRD) oft als potenziell missverständlich oder manipulierbar galt. Doch die technische Realität bei der Verarbeitung von XML-Dateien in SAP Business One zeigt: Gerade weil ZUGFeRD immer das klar strukturierte CII-Format verwendet, ist es in der Praxis deutlich robuster und weniger fehleranfällig.

Worum geht es?

Die XRechnung kann technisch in zwei Varianten auftreten:

  • UBL (Universal Business Language)
  • CII (Cross Industry Invoice nach UN/CEFACT)

Beide Formate sind normgerecht und konform zur EN16931, aber strukturell komplett verschieden. Der entscheidende Haken: SAP Business One (mit Electronic File Manager / EFM) unterscheidet nicht automatisch zwischen den beiden. Und der Mensch in der Buchhaltung sieht einer XML-Datei nicht an, welche Variante sie ist.

Was passiert in der Praxis?

Ein Lieferant sendet eine XRechnung. Die Buchhaltung möchte sie mit dem „Assistenten für den elektronischen Belegimport“ über das PEPPOL-Protokoll in SAP Business One einlesen. Doch ohne visuelle Erkennung des Formats (UBL oder CII) wird häufig das falsche Mapping geladen. Die Folge: Fehlermeldungen wie  „Das Präfix ‚in‘ wurde nicht definiert“ oder „Das Element ‚Lines‘ ist an dieser Stelle nicht erlaubt“ 🙁

Diese kryptischen Fehler kosten Zeit, frustrieren die Anwender:innen und führen im schlimmsten Fall zur Ablehnung der Rechnung.

Warum ist das ein Problem?

  • SAP Business One bietet keine native Format-Erkennung.
  • Der EFM verlangt völlige Formatklarheit: Jedes Mapping ist entweder für UBL oder für CII erstellt.
  • Die visuelle Unterscheidung ist für Endanwender nicht praktikabel.

Was ist mit ZUGFeRD?

Die hybride ZUGFeRD-Rechnung (PDF + eingebettetes XML) bietet hier einen klaren Vorteil: ZUGFeRD verwendet immer das CII-Format (ab Version 2.0). Damit entfällt das Risiko einer Formatverwechslung komplett. Wer als Empfänger ZUGFeRD einsetzt, kann mit nur einem EFM-Mapping arbeiten – stabiler, sicherer, einfacher.

Was wären die weitere Alternativen?

  • Mit einem Add-On (z. B. CKS.eInvoice), die das XML-Format automatisch erkennen und dem richtigen Mapping übergeben.
  • Mit kleinen Tool wie den KoSIT Konverter oder Skripten einheitlich auf UBL konvertieren
  • Oder in manchen Fällen: indivuelle Anpassung im EFM, was fehleranfällig ist.

Empfehlung:

Wer als Empfänger mit SAP Business One arbeitet, sollte wenn möglich auf ZUGFeRD (Version ≥2.1 mit EN16931-Profil) setzen. Damit ist sichergestellt, dass das XML immer CII-konform und strukturell eindeutig ist. Die Verarbeitung im EFM wird dadurch erheblich vereinfacht.

Fazit: Die Standardisierung ist nicht das Problem – die Vielfalt der Standards schon.

Unternehmen, die E-Rechnungen mit SAP Business One empfangen, sollten sich bewusst machen, dass „XRechnung“ nicht gleich „XRechnung“ ist. Ohne technische Unterstützung bei der Formatunterscheidung drohen unnötige Fehler und Medienbrücken. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Setup oder Add-on lässt sich dieses Problem lösen.


Bei Fragen oder Unterstützung zur E-Rechnung in SAP Business One können Sie sich gerne an mich wenden.

E-Rechnung: XRechnung vs ZUGfERD

Liebe Digitalisierungs- und E-Rechnungsfans,

jetzt wo die ersten E-Rechnungen eintrudeln kommt oft die Frage auf, welches Format vorzuziehen ist: XRechnung oder ZUGFeRD? Beide haben ihre Stärken, doch in vielen Szenarien ist die XRechnung der klare Favorit.
Was auch gerne unterschätzt wird: In Deutschland wird das Format für E-Rechnungen vom Rechnungsempfänger bestimmt. Sie können also entscheiden, welches Format Sie wünschen!
Aber lassen Sie uns die Unterschiede und die Vorteile der XRechnung beleuchten:

1️⃣ Klarer Fokus auf maschinelle Verarbeitung
Die XRechnung ist ein XML-basiertes Format, das speziell für die automatisierte Verarbeitung entwickelt wurde. Im Gegensatz dazu kombiniert ZUGFeRD eine PDF-Darstellung mit eingebetteten XML-Daten, was zwar praktisch, aber nicht immer effizient ist. Die XRechnung ist schlanker und vermeidet jegliche Zusatzinformationen, die für Maschinen irrelevant sind.

2️⃣ Vorgabe für den öffentlichen Sektor
Die XRechnung ist in Deutschland für alle Rechnungen an öffentliche Auftraggeber verbindlich vorgeschrieben. Wer mit Behörden oder öffentlichen Einrichtungen arbeitet, kommt um dieses Format nicht herum. Es entspricht den Anforderungen der EU-Richtlinie 2014/55/EU und garantiert damit höchste Konformität.

3️⃣ Zukunftssicher und standardisiert
Während ZUGFeRD durch die hybride Kombination von PDF und XML menschlich lesbar bleibt, setzt die XRechnung konsequent auf Maschinenlesbarkeit. Dies spiegelt den Trend zur vollständigen Digitalisierung und Automatisierung von Geschäftsprozessen wider – ein entscheidender Schritt in Richtung Zukunft.

4️⃣ Klarheit und Fokus statt hybrider Ansätze
ZUGFeRD versucht, zwei Welten zu vereinen: die maschinelle und die menschliche. Das führt oft dazu, dass Rechnungen zwar lesbar, aber technisch überfrachtet sind. Die XRechnung hingegen folgt einem klaren Prinzip: Daten für Maschinen – und nur für Maschinen.

5️⃣ Steuerlich zählt nur das XML
Ein oft übersehener Punkt: Bei ZUGFeRD ist steuerlich ausschließlich der XML-Teil relevant, nicht der sichtbare PDF-Teil. Das bedeutet, dass der scheinbar „komfortable“ Lesemodus keinerlei rechtliche Bedeutung hat. Die XRechnung geht hier den direkten Weg und liefert ausschließlich die Daten, die wirklich zählen.

Fazit:
Wenn Ihre Prozesse maximale Automatisierung und Rechtskonformität erfordern – besonders im B2G-Bereich – ist die XRechnung die bessere Wahl. ZUGFeRD bietet sicherlich Vorteile in hybriden Szenarien, doch für eine konsequente Digitalisierung führt kein Weg an der XRechnung vorbei.

Und keine Sorge: Für die Freunde der „sichtbaren“ Rechnung gibt es mittlerweile etliche Online-Tools, die XRechnungen in ansprechender Form visualisieren können – ganz ohne PDF-Ballast. 😉

Gerne unterstütze ich Sie bei der Implementierung und beantworte Fragen rund um das Thema E-Rechnung in SAP Business One.